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03.11.2026 | „Smart East 2.0“: Der Alte Schlachthof wird zum Klimaquartier

Karlsruher Folgeprojekt vernetzt Strom, Wärme und Mobilität – Modell für die Energiewende in urbanen Bestandsquartieren

Wie kann die Energiewende dort gelingen, wo Menschen arbeiten, Kultur erleben und Unternehmen ihren Alltag gestalten – in einem gewachsenen Quartier mit unterschiedlichen Gebäuden und Energiebedarfen? Das vom Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg geförderte Projekt „Smart East 2.0“ setzt genau hier an: Der Alte Schlachthof im Karlsruher Osten soll zu einem vernetzten Klimaquartier werden, in dem Strom, Wärme und Mobilität intelligent zusammenspielen und gemeinsam genutzt werden.

Vom Reallabor zum vernetzten Energiesystem
Ziel ist es, Energie effizienter zu nutzen, erneuerbare Energien besser einzubinden und die gemeinschaftliche Versorgung im Quartier zu erproben. Zugleich soll ein übertragbares Modell für die Energie- und Wärmewende in anderen Städten entstehen. „Smart East 2.0“ knüpft an die Erfahrungen des Vorgängerprojekts „Smart East“ an, das in der Oststadt die intelligente Vernetzung von Stromversorgung und Elektromobilität in den Mittelpunkt stellte. Mit dem Alten Schlachthof rückt nun ein weiteres Karlsruher Quartier in den Fokus. Das rund 72.000 Quadratmeter große Areal vereint Kultur- und Kreativwirtschaft, Gewerbe und Veranstaltungsorte. 

Wenn Energie im Quartier zusammenspielt
„Gerade diese Mischung macht es zu einem geeigneten Reallabor für neue Lösungen der urbanen Energiewende“, betont Thekla Walker, Ministerin für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg. Die entscheidende Weiterentwicklung: Neben Strom und Mobilität wird nun auch die Wärme systematisch in das Energiemanagement integriert, koordiniert und marktorientiert optimiert. Photovoltaikanlagen, Wärmepumpen, elektrische und thermische Speicher, Klimatisierung, Ladeinfrastruktur und Fernwärmeanschlüsse sollen miteinander vernetzt und aufeinander abgestimmt werden. So lassen sich Energieerzeugung und -verbrauch ganzheitlich betrachten und Flexibilitätspotenziale erschließen, die bislang häufig ungenutzt bleiben. Die Konsortialleitung des Projekts übernimmt das FZI Forschungszentrum Informatik, weitere Verbundpartner sind das Karlsruher Institut für Technologie (KIT), die Stadtwerke Karlsruhe mit der Badischen Energie-Servicegesellschaft mbH (BES) sowie fokus.energie e.V.

Wärme wird zum aktiven Teil der Energiewende
Im Zentrum steht ein Energiesystem, das nicht nur den Eigenverbrauch im Quartier optimiert, sondern auch auf die Anforderungen des Stromnetzes und des Energiemarktes reagieren kann. Heizen und Kühlen spielen dabei eine besondere Rolle: „Wärmepumpen, Speicher und die thermische Trägheit von Gebäuden sollen gezielt zur Flexibilisierung beitragen. Die Innovation liegt darin, Strom, Wärme und Mobilität nicht isoliert zu betrachten, sondern ihre Flexibilität für das gesamte Quartier nutzbar zu machen“, so Projektinitiator Dr.-Ing. Christoph Schlenzig von der SVB Strategie & Vision GmbH.
Über ein intelligentes Energiemanagement können Erzeugung, Speicherung und Verbrauch besser aufeinander abgestimmt werden. Zugleich sollen die im Quartier verfügbaren Flexibilitätspotenziale gebündelt und über die Anbindung an ein virtuelles Kraftwerk auch außerhalb des Areals nutzbar gemacht werden. Damit verbindet „Smart East 2.0“ die lokale Energieversorgung mit den Anforderungen eines zunehmend dynamischen Energiesystems.

Energie gemeinsam nutzen
„Smart East 2.0“ setzt jedoch nicht allein auf Technik. Das Projekt erprobt auch, wie sich erneuerbare Energie gemeinschaftlich nutzen lässt. Im Alten Schlachthof soll dafür eine sogenannte „Energy Community“ entstehen. Im Rahmen des gesetzlichen Energy-Sharing-Modells werden die technischen, wirtschaftlichen und organisatorischen Voraussetzungen für eine gemeinschaftliche Energienutzung im Quartier untersucht. Karlsruhes Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup hat zugesagt, das Projekt als Schirmherr zu begleiten. 
Dabei kommt es auf die Menschen vor Ort an: Unternehmen, Kulturschaffende, Mieterinnen, Mieter und weitere Akteure sollen in den Transformationsprozess eingebunden werden. Beteiligungsformate und Beratungsangebote sollen zudem helfen, Einsparpotenziale zu erkennen, Hemmnisse abzubauen und tragfähige Lösungen für den Quartiersalltag zu entwickeln.

Modell mit Strahlkraft für andere Städte
Der Alte Schlachthof bietet für das Projekt gute Voraussetzungen, um die Energiewende im Bestand praktisch voranzubringen. Unterschiedliche Nutzungen, vorhandene Gebäude, teilweise ältere Heizsysteme und bislang noch ausbaufähige Photovoltaik- und Ladeinfrastruktur stellen das Projekt zugleich vor typische Herausforderungen vieler urbaner Quartiere.
Um die Energiewende im Bestand praktisch voranzubringen, sollen konkrete Investitionen in Photovoltaik, Batteriespeicher, Wärmeversorgung und Ladeinfrastruktur mit einem übergreifenden digitalen Energiemanagement zusammengeführt werden. „Smart East 2.0“ setzt deshalb auf die konkrete Umsetzung und den Betrieb von Anlagen statt allein auf Konzepte und Simulationen oder eine projektspezifische Sonderlösung! Die entwickelten technischen Lösungen, Betriebsstrategien und Geschäftsmodelle sollen sich auf andere gemischt genutzte Bestandsquartiere übertragen lassen, damit innovative Konzepte in die Fläche kommen. „Das Projekt setzt Impulse für die kommunale Wärmeplanung, die Dekarbonisierung von Gebäuden und die netzdienliche Nutzung lokaler Energien“, so Ministerin Walker.

Als assoziierte Partner sind in das Projekt eingebunden: Karlsruher Fächer GmbH, KEK – Karlsruher Energie- und Klimaschutzagentur gGmbH, TOLLHAUS Freier Kulturverein e.V., BEnKA – BürgerEnergie Karlsruhe eG, ausgeschlachtet e.V., Stadtmobil CarSharing GmbH & Co. KG, TechnologieRegion Karlsruhe GmbH, Smart Grids-Plattform Baden-Württemberg e.V., K³ Kultur- und Kreativwirtschaftsbüro Karlsruhe, SUBSTAGE Karlsruhe e.V. und BGV Badische Versicherungen.

Öffentlicher Auftakt
Am Donnerstag, 12. November 2026, 17.30 Uhr, Tollhaus Karlsruhe, wird „Smart East 2.0“ im Rahmen der „RegioCOP31 Karlsruhe“ (www.regiocop-karlsruhe.de) erstmals öffentlich vorgestellt (Programm und Anmeldung dazu unter https://eveeno.com/251591876).
Dann erhalten Interessierte Einblicke in Ziele und Ansätze des Projekts und erfahren, wie der Alte Schlachthof in Karlsruhe zum Modell für ein intelligentes, gemeinschaftlich organisiertes Klimaquartier werden soll. Das Projekt startete am 1.10.2026 und wird drei Jahre lang gefördert.

Die Projektseite www.smart-east.de wird entsprechend aktualisiert.

Verbundforschungsprojekt Smart East 2.0

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